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Blühende Stadtlandschaft

Blühende StadtLandschaft -
Revitalisierung
eines der größten ehemaligen Schwerindustriestandorte der DDR

Diplomandinnen:            
Susanne Meichsner und Susanne Olm

Gutachter:           
Prof. Dipl.-Ing. Ronald Scherzer-Heidenberger
Prof. Dipl./Arch. (GB Scheff.) Henning Rambow

Bei dem Planungsgebiet handelt es sich um ein 66 ha großes ehemaliges Industriegrundstück mitten im Stadtgebiet von Magdeburg. Es liegt südlich der Altstadt im heutigen Stadtteil Leipziger Straße und besitzt keinen direkten Zugang zur Elbe. Von den umgebenden Stadtteilen Buckau und Sudenburg wird es durch die Eisenbahnstrecke Magdeburg-Halberstadt und die Stadtautobahn Magdeburger Ring abgegrenzt. Mitten durch den Stadtteil erstreckt sich die namensgebende Leipziger Straße, eine der Hauptmagistralen im südlichen Stadtgebiet, und trennt diesen Stadtteil in eine westliche und eine östliche Seite. Im östlichen Teil liegt das hier bearbeitete Planungsgebiet.
Der Stadtteil Leipziger Straße ist kein historisch gewachsener, stadtgeschichtlich bedeutsamer Stadtteil. Betrachtet man die Stadtentwicklung Magdeburgs, stößt man auf die übliche Art der Stadterweiterung, bei der umliegende Gemeinden im Verlauf des Wachstums der Stadt in das Stadtgebiet eingeschlossen wurden. Auf solche historischen Siedlungskerne lassen sich die Stadtteile Sudenburg und Buckau zurückführen. Das heutige Stadtgebiet Leipziger Straße waren ursprünglich die Felder zwischen diesen beiden Dörfern. Im Rahmen der ersten großen Stadterweiterung wurden die Mauern im Süden der Stadt geschliffen. Auf den neu hinzugewonnenen Flächen entstand ein großes Seuchenkrankenhaus, ein Friedhof und auch für die sich herausbildende Industrie waren hier große attraktive Flächen. Anfangs erstreckte sich die Industrie wegen der infrastrukturellen Anforderungen eher an der Elbe, später verlagerte sich die Ansiedelung neuer Industrien an die Bahnstrecken.
Die industriellen Ansiedelungen trieben die Stadtentwicklung im Süden Magdeburgs schnell voran. Es wurden Arbeiterquartiere gebaut. Im Zuge dieser Entwicklungen wurden die historischen Siedlungskerne Sudenburg und Buckau in die Stadt eingemeindet. Die Industrie und die Wohnbebauung breitete sich immer mehr aus, bis alle Lücken geschlossen waren. Im 20.Jahrhundert blieb das Gebiet dann weitgehend unverändert in seiner historisch gewachsenen Struktur erhalten.
Im Zuge der gesellschaftlichen Transformation Ostdeutschlands änderte sich das schlagartig. Auf der einen Seite gab es verwaltungsmäßige Veränderungen. Aus Teilen von Sudenburg und Buckau wurde ein neuer künstlicher Stadtteil gebildet, der nach der ihn durchziehenden Hauptausfallstraße Leipziger Straße benannt wurde. Durch diese künstliche Erschaffung fehlen gewachsene Strukturen, wie ein historisches Zentrum, bzw. einen Identifikationsort der einem Stadtteil seinen speziellen Charakter verleiht. Andererseits entstanden durch den Zusammenbruch der großen DDR-Industrien und den Abriss und Rückbau der Anlagen in diesem Bereich riesige Brach- und Ruinenflächen, die bisher keine neue Nutzung erfuhren. Dieser Umstand ist im Vergleich ostdeutscher Industriestädte in Magdeburg besonders augenfällig, da seit dem Umbruch neue großflächige Entwicklungsvorhaben in der Stadt realisiert wurden. Hauptsächlich für Gewerbe und Industrie, Freizeit, Bildung und Forschung gab es umfangreiche Bauvorhaben im Bereich des Hafens und in weiteren Bereichen nördlich der Altstadt. Im Süden Magdeburgs hingegen blieben die Brachflächen ungenutzt und die Nutzung beschränkt sich hier fast ausschließlich auf eine reine Wohnnutzung.
Schaut man sich die derzeitige Nutzungsverteilung in Magdeburg an, fällt auf, dass sich Kondensationspunkte homogener Nutzungen in Magdeburg gebildet haben. So gibt es zum Beispiel nur einen räumlich umgrenzten Bereich für Forschung in Magdeburg, wo sich alle Forschgungsfirmen und Institute niedergelassen haben. Diese räumliche Trennung findet sich für jede Nutzungsart, sei es der neue Freizeit- und Vergnügungsbereich mit Freizeitbad und Buga-Park oder der große Erholungsbereich, der Stadtpark auf der Rothehorninsel, oder im kleinräumlicheren Maßstab, die großen Shopping-Center, die sich auf einer West-Ost-Achse vom Bahnhof bis an die Elbe hinziehen. Die für eine historisch gewachsene Stadt übliche heterogene Nutzungsverteilung über das Stadtgebiet hat sich in Magdeburg nicht erhalten.
Im Stadtteil Leipziger Straße interferieren die beiden dargestellten Besonderheiten und verstärken sich gegenseitig und führen zu einer internen Inselstruktur, die durch die Zerteilung des Stadtteils durch die Hauptverkehrsachse nochmals verstärkt wird. Man findet hier ganz klar begrenzt zum einen das große Universitätsklinikum, den weitläufig ausgedehnten Südfriedhof, einzelne kleine Industrie-Inseln wie zum Beispiel die Enercon – Windkraftanlagenfertigung, die Kleingärten am Rande der Bahnstrecke und am Magdeburger Ring und die vereinzelten Wohngebiete. Die Wohngebiete bilden durch ganz klar sich unterscheidende Bautypen eigene kleine introvertierte Inseln. Grünbereiche, Spielbereiche, Kultur und Veranstaltungsbereiche, sowie Aufenthaltsbereiche sucht man im Stadtgebiet Leipziger Straße vergeblich.
Das Planungsgebiet selbst ist im Osten begrenzt von der Bahn. Nur ein Fußgängertunnel verbindet das Gebiet mit dem östlich angrenzenden Stadtteil Buckau. Im Norden liegt die Warschauer Straße, die stark befahrene Ost-West-Hauptachse südlich der Altstadt. Westlich grenzt an das Planungsgebiet ein kleiner Teil Blockrandbebauung, der Südfriedhof, Gartensparten sowie ein dazugehöriger öffentlicher Parkplatz. Im Südosten und Süden befindet sich ein Wohngebiet aus Plattenbauten und verdichtetem Geschosswohnungsbau ohne Aufenthaltsqualität. Die Bildungseinrichtungen (Kindergärten und Grundschule, Berufsschule) befinden sich in schlechtem Zustand, sind dringend renovierungsbedürftig. Außerdem haben sie wenig Freifläche und keine Erweiterungsmöglichkeiten.
Das Planungsgebiet selbst besteht aus vier verschiedenen Teilbereichen: der nördliche Wohnbereich, der ehemalige Bahnhof Buckau, die ehemalige Fabrik Schäffer und Budenberg und das große ehemalige SKET – Areal.
Der Wohnbereich konnte früher nur von einer Brücke über die Bahn erschlossen werden und wird daher von den Magdeburgern Wohninsel genannt. Viele leerstehende, sanierungsbedürftige Häuser und Ruinen prägen das Straßenbild. Den nördlichen Abschluss bildet der ungepflegte Strubepark. Das Bahngelände war früher ein wichtiger Rangier- und Umschlagplatz der Schwerindustrie und ist heute ungenutzt und verwildert. Die Fabrik Schäffer & Budenberg wurde bekannt durch Feinmechanik, Manometer und Thermometer. Nach der Wende stand die Fabrik lange leer, bis vor ein paar Jahren ein Containerservice sich einmietete. Nur der östlichere Teil wird heute noch genutzt, der Bereich an der Freien Straße steht leer.
Das SKET-Areal blickt auf eine über 150 Jahre andauernde Historie zurück. Das Werk entwickelte sich seit der Gründung 1855 zum größten und traditionsreichsten Industriebereich der Stadt, liegt aber seit der Wende brach. Nur ein ganz marginaler Anteil der Fläche und Gebäude wurde nach und nach mit neuen Nutzungen wieder belebt. Die ehemalige Panzergießerei wurde 1996 in ein Technikmuseum umgewandelt, das Zeugnis über die Magdeburger Schwerindustrie geben soll. Das ehemalige Verwaltungsgebäude wurde vor relativ kurzer Zeit an ein großes Dienstleistungsunternehmen verkauft und soll zum Hauptsitz des Unternehmens werden.
Das Planungsziel der vorliegenden Arbeit ist die Reanimierung dieser Brache mitten in der Stadt und damit auch die Strukturierung des umgebenden künstlichen zentrumslosen Stadtteils. Das Gebiet selbst soll zukunftsweisend und innovativ sein, und damit wieder, anknüpfend an seine Historie, eine Vorreiterposition einnehmen. Es soll ein neues Zentrum, ein Ort der Identifikation für den Stadtteil geschaffen werden. Der ehemalig vom Stampfen der Dampfhämmer mit regem Leben erfüllte Bereich, soll dem Stadtteil wieder neues Leben bringen, indem ein öffentlicher Raum für Begegnungen geschaffen wird, der dem Stadtteil eine neue Aufenthaltsqualität beschert mit Erholungsflächen und öffentlichem Grün. Mit dem neuen Stadtteilkern soll Leben an den Ort zurückkommen, der einst der Motor der Entwicklung des ihn umgebenden Stadtgebietes war. Innovative Nutzungen in Mischstruktur sind dabei besonders wichtig.
Das Grundkonzept: sieht vor, dass die historische Gebietseinteilung wieder aufgenommen wird, sodass in diesem Raum vier unterschiedlich zu betrachtende und zu entwickelnde Quartiere entstehen.
Das SKET soll dabei den neuen Stadtteilkern und Hauptidentifikationsort bilden. Die neue Haupterschließung des Planungsgebietes führt am SKET-Areal entlang, ohne es zu durchschneiden. Dabei wird die historisch bedeutsame Marienstraße und Freie Straße wieder als die wichtige Gebietserschließungsstraße fungieren. Über diese Haupterschließung gelangt man in die einzelnen Quartiere. Um das neue Identifikationszentrum zu erleben und seinen einzigartigen Charakter wahrzunehmen, muss man mitten in das Gebiet eintauchen, indem man über die historische Haupterschließungsachse fährt oder indem man sich das Gebiet über die Öffnungen in alle Richtungen zu Fuß erschließt. So wird aus dem ehemals vom geschäftigen Brummen und Stampfen der Maschinen erfüllten Raum ein neuer Hort der Ruhe und des Verweilens innerhalb der Stadt.
Der von der Umgebung aufgenommene, aber im Fall des Planungsgebiets durch die vielen Zugänge auch teilweise wieder aufgebrochene Inselcharakter, wird durch eine grüne Raumkante deutlich abgezeichnet. Der ausgedehnte öffentliche Grünraum soll sich auf dem SKET-Areal befinden. In den umgebenden Quartieren wird ein Quartiersgrün geschaffen, das mit dem großen Grünraum verbunden ist.
Innovative Nutzungen sollen das Gebiet beleben und durch ihre Aktualität dem Gebiet auch einen völlig neuen Charakter verleihen. Ganz im Sinne der Tradition des Gebietes als Ort der Innovationen. Nur sollen die Innovationen jetzt natürlich nicht mehr im Bereich der Schwerindustrie liegen, aber sie sollen weiterhin aus dem Bereich der Arbeitswelt kommen. Eine flexible Arbeitswelt mit Gemeinschaftsbüros, Ateliers und Werkstätten für Freiberufler und Kreative Köpfe sehen wir als Möglichkeit Arbeit an den Ort zurückbringen. Der Gewerbebereich soll dabei vor allem für Dienstleistungen und Service für diese flexible Arbeitswelt dienen (u.a. Druckerei, Verpackung,…)
Als besonderen Reiz, soll dieser Arbeitswelt eine komplette Infrastruktur zu Füßen liegen, die ein kreatives Arbeiten möglich macht. Einkaufsbereiche, Cafés und Bars, Frisör und Kosmetik, Reinigung, Kultur- und Ausstellungsbereich, liegen unmittelbar neben großzügigen Grün und Ruhebereichen, Freizeitbereichen, sowie guter Kinderbetreuung und -bildung.
Diese Heterogenität und Offenheit, diese kreative Atmosphäre soll sich auch in den Wohnbereichen widerspiegeln. Eine Mischung aus Einfamilienhaus, Stadthaus über Familienwohnungen und Mehrgenerationswohnen bis Loft- und Appartementwohnen soll der umgebenden Monostruktur entgegenwirken.
Die Geschichte des Planungsgebietes selbst begann mit der Gründung einer kleinen Schiffbauwerkstatt namens „H. Gruson, Buckau Magdeburg“ mit eigener Maschinenfabrik und Eisengießerei vor den Toren der Stadt Magdeburg durch Hermann Gruson im Jahre 1855. Da aber die Verlagerung des Schiffbaus nach Hamburg, sowie die wirtschaftliche Flaute infolge der amerikanischen Wirtschaftskrise den Elbschiffbau in Magdeburg unluktrativ werden ließ, legte Gruson diese Werft still und widmete sich verstärkt der Fabrikation von Werkzeugen, Kleinmetallteilen und der Werkstoffforschung. Durch Veränderungen der chemischen Zusammensetzung des produzierten Gusseisens und der Änderung der Abkühltechnologie entwickelte Gruson einen Eisenwerkstoff, den sogenannten „Hartguss“, der allen bisher gekannten Gusseisen in Festigkeit, Härte und Abnutzung überlegen war. Dies wurde zur technischen Grundlage des beispielhaften Aufstiegs seines Unternehmens.
Zahlreiche Aufträge für Gleise, Verbindungsstücke und Räder der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn gaben dem umstrukturierten Unternehmen eine neue finanzielle Basis. Der Fortbestand der Fabrik war so nicht nur gesichert, sondern sie musste ständig erweitert werden. 1865 zählte das Unternehmen schon 250 Mitarbeiter. Der erwirtschaftete Gewinn reichte aus, um 1867 ein großes Gelände an der Marienstraße vom Kloster „Unserer lieben Frauen“ zu erwerben. 1886 wurde die Eisengießerei und Maschinenfabrik von Hermann Gruson als „Grusonwerk Aktiengesellschaft Buckau“ im Amtsregister eingetragen. Der revolutionäre Durchbruch im Gießereiwesen weckte schnell das Interesse des Militärs. Die Entwicklung und Produktion von Geschützen, Munition und Panzerplatten begann.
Auf dem Gebiet der Rüstungsproduktion bestand eine starke Konkurrenz mit der Essener Firma Krupp. Erst 1892 wurde der Konkurrenzkampf mit einem Betriebsüberlassungsvertrag beendet. Infolge dessen wurde das Grusonwerk 1893 von Friedrich Alfred Krupp übernommen und unter dem Namen „Friedrich Krupp-Grusonwerk“ weitergeführt. Fast die gesamte Rüstungsproduktion wurde nach Essen verlegt und Magdeburg wurde zum Hauptproduktionsstandort für Küsten- und Festungspanzer sowie die Zivilindustrie. Bald gehörte das Werk zu den in der Welt führenden Unternehmen für Ausrüstungen für die Berg- und Hüttenindustrie, für Walz- und Zerkleinerungstechnik und für Erzaufbereitungsanlagen. Es wurden zahlreiche Hallen errichtet, Grund und Boden erworben, um der wachsenden Nachfrage entsprechen zu können. Mehrmals expandierte das Werk in Richtung Süden.
Kurz vor dem ersten Weltkrieg nahm das Krupp-Grusonwerk in Magdeburg die Kriegsproduktion wieder verstärkt auf und lieferte einen Großteil seiner Produktion an das Heer und die Marine des Kaisers. Mit den erwirtschafteten Gewinnen wurde das Werk weiter vergrößert und neue Gebäude errichtet. Auch nach Kriegsende konnte das Krupp-Grusonwerk, dank der immer weiter gepflegten zivilen Produktion, Gewinne erarbeiten und gelang durch das hohe technische Niveau und die hervorragende Qualität der gefertigten Anlagen zu weltweit hohem Ansehen.
Mit der Machtübernahme Hitlers in Deutschland begannen 1933 die ersten Vorbereitungen für den Zweiten Weltkrieg. Das Werk erhielt den Auftrag, Panzerwagen und später auch militärische Güter für Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine in großen Stückzahlen zu produzieren. In kürzester Zeit wurde es zu einem der wichtigsten Rüstungsbetriebe Deutschlands und wurde so auch zur Zielscheibe für alliierte Luftangriffe.
Mit der Besetzung Magdeburgs anfangs durch amerikanische und später durch russische Truppen endete die Rüstungsproduktion 1945. Aber schon nach kurzer Zeit erging durch die sowjetische Militäradministration der Befehl zur Wiederaufnahme der Industrieproduktion. Dieser Neuanfang wurde ungemein erschwert durch die materiellen Kriegsschäden, die personellen Verluste und nicht zuletzt die allgemeine Not. Mehrere Jahre wurden für die Instandsetzung und die notwendigen Neubauten benötigt. 1946 wurde das Krupp-Grusonwerk im Rahmen der Reparationsleistungen in das Eigentum der UdSSR übergeben und der Sowjetischen Staatlichen Aktiengesellschaft für Maschinenbau zugeordnet. 1951 wurde das Werk in „Thälmannwerk“ umbenannt, 1954 in Volkseigentum überführt und hieß seitdem „VEB Schwermaschinenbau Ernst Thälmann“.
Die Gründung und der Aufbau des „Schwermaschinenbau Kombinates Ernst Thälmann“ bestimmten 1969-1989 die weitere Entwicklung des Werkes. Das bedeutete, dass neben der Erweiterung der Produktionsstätten und der Produkte auch viele soziale, kulturelle und sportliche Einrichtungen geschaffen wurden, die das Werk nicht nur zu einer reinen Arbeitsstätte machen, sondern auch die soziale Absicherung und Integration der Arbeitskräfte und ihrer Familien sicherstellen sollten.
1989, zum Zeitpunkt des Umbruchs, war das SKET das größte Schwermaschinenbau-Kombinat der DDR. In den 18 zusammengefassten Betrieben arbeiteten mehr als 30.000 Menschen, in der Hauptstammfirma an der Marienstraße allein etwa 15.000 Leute. 1990 wurde das Kombinat aufgelöst und als Rechtsnachfolger die SKET Maschinen- und Anlagenbau AG ins Handelsregister eingetragen. Es gab zahlreiche Privatisierungskonzepte für den Nord- und Ostteil des Geländes, um den Betrieb zu sanieren. Jedoch scheiterten die Bemühungen, das Unternehmen zu retten. Der Betrieb wurde in der Folge der Treuhand direkt unterstellt und die GISE (Gesellschaft für Innovation, Sanierung und Entsorgung) begann mit der Beräumung des Nordgeländes mit dem Ziel das Gelände nach erfolgter Sanierung besser vermarkten zu können.
Die noch erhaltenen Industrieanlagen gehören zu den wesentlichen, wenn nicht sogar wichtigsten Zeugnissen der historischen Magdeburger Industriearchitektur. Diese letzten Spuren der industriellen Bedeutung des Geländes sollen als zentrale Identifikationsmerkmale und Zeugen der Historie des Geländes erhalten bleiben und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Dabei handelt es sich um die Gebäudefassaden der Konsumanstalt, des Arbeiterspeisesaals, der Montagehalle IV, sowie Reste des Hobelsaals, der Montagehalle I und des Verwaltungsgebäudes an der Marienstraße, die eine geschlossene Straßenfront bilden. Hinter ihnen befindet sich die Gruson-Villa, das ehemalige Wohnhaus des Werksgründers. Das Verwaltungsgebäude und das Gebäude der ehemaligen Panzergießerei an der Dodendorfer Straße bilden den westlichen Abschluss des Geländes. Im südlichen Teil an der Freien Straße befinden sich der Verseilmaschinenbau und die Versuchsanstalt. Nördlich davon liegt die Montagehalle III, ein besonders imposantes Beispiel moderner Industriearchitektur. An der Salbker Straße liegt das 1912 in Stahlbetonbauweise errichtete vierstöckige Modellhaus K.
Die Vielschichtigkeit der Geschichte des Areals soll sich auch in der neuen Gestaltung widerspiegeln. Die gestalterische Basis ist die Idee der Überlagerung. Dabei werden die aus der Sicht der Planerinnen für das Gelände besonders charakteristischen historischen Strukturen aus verschiedenen Entwicklungsstadien des Geländes miteinander verwoben, so dass ein neues System entsteht, das in sich funktioniert ohne aber die ursprüngliche Strukturiertheit des SKET-Areals und seiner noch erhaltenen Spuren zu überdecken.
Die heute verwilderte große Brachfläche und wird ein rudimentärer Landschaftsraum, der durch weitere Strukturen im Rahmen des Entwicklungskonzeptes durchbrochen wird. Auf diesen Raum wird das historische Bahnlinienraster übertragen und bildet so die Grundformen der neuen Bebauungsflächen aus. Auf diese Strukturierung wird die Anordnung früherer Frei- und Lagerflächen übertragen. Auf diesen Flächen entstehen gestaltete Grünräume. Überlagert wird diese Anordnung vom historischen Wegesystem des Gebietes, das die Grundlage des neuen Wegerasters bildet. Dieses wird erweitert durch im Rahmen der Entwicklung entstehende Wegebeziehungen, die zusätzlich realisiert werden. Somit werden die historischen Zugänge zum Gelände erhalten und bilden weiterhin die Zugänge zum Entwicklungsgebiet.
Aus dieser Strukturierung resultiert auch das Erschließungskonzept. Die Haupterschließung erfolgt über die neuen alten Zugänge. Diese Haupterschließungen bestehen aus zwei großzügig zweispurig angelegten parallelen Fahrstraßen, die durch eine doppelte Baumreihe mit einem dazwischen gelegenen Flanierweg unterbrochen werden und so die Orientierungsachsen bilden. Die Straßen sind jeweils einspurig befahrbar. Die zweite Spur wird als Parkspur entwickelt. Von den Hauptachsen gehen die Nebenerschließungen ab, von denen dann wiederum die Anliegerstraßen abgehen, die für den allgemeinen Verkehr nicht mehr befahrbar sind.
Das Grünraumkonzept sieht vor, dass das ehemalige SKET-Areal an der äußeren Gebietsgrenze von einer großen Baumreihe eingefasst werden soll. Westlich des großen Verseilmaschinenbaus entsteht ein rudimentärer Landschaftsraum, der immer wieder von gestalteten Grünräumen durchbrochen wird. Durchzogen wird der Landschaftsraum auf der Nord-Süd-Achse durch den grünen Boulevard, einen Fußweg der quasi das Rückgrat des Landschaftsraumes bildet. Von dort kommt man zu allen historischen Gebäuden und gestalteten Grünräumen über kleinere Wege. Der Autoverkehr ist bewusst aus diesem grünen Bereich ausgelagert.
Wie bereits beschrieben, leitet sich auch das Nutzungskonzept aus den historischen Strukturen ab. Der Bereich des Eingangs Marienstraße mit dem ehemaligen Verwaltungsgebäude wird ein Hauptarbeitsbereich. Das dort bereits ansässige Dienstleistungsunternehmen RegioCom benötigt neben diesem Gebäude noch weitere Bürogebäude für etwa 1.000 Beschäftigte. Der Bereich der ehemaligen Panzergießerei mit dem hier ansässigen Technikmuseum wird zum Kulturbereich, der eine Erweiterungsmöglichkeit des Technikmuseums, sowie weitere Veranstaltungsflächen und Ausstellungshallen beinhalten soll. Der Bereich um die Grusonvilla wird wieder mit Wohnen belebt. Die riesige Halle des ehemaligen Verseilmaschinenbaus wird der neue Bildungsbereich mit Kindergärten, Grundschule, Sekundarschule und Werkstätten. Das Areal um die Versuchsanstalt wird das neue Berufsschulzentrum mit Werkstätten und Ateliers und das Modellhaus K wird hauptsächlich neuen Arbeitskonzepten zur Verfügung stehen. Hier sollen sogenannte Coworking Spaces und Gemeinschaftsateliers für Freiberufler und Selbständige entstehen. Im östlichen Bereich soll ein neuer Gewerbe und Arbeitsbereich entstehen. Das infrastrukturelle Zentrum mit Cafés, Bars, Einzelhandelsflächen, Stadtteilbibliothek, Treffpunkt für Jung und Alt usw. wird im Bereich der Montagehalle III entstehen.
Ein wichtiges Augenmerk liegt zudem auf einem optimalen Flächenmanagement im Zuge der Entwicklung, das eine stufenweise behutsame Gebietsentwicklung ermöglicht. Dabei ist besonders wichtig, dass das Gebiet bereits bei Beginn der Entwicklung den Bewohnern der umgebenden Wohnbebauung unmittelbar zur Verfügung steht. Deshalb bestehen die vorrangigen Schritte in der Instandsetzung der Montagehalle III, damit das infrastrukturelle Zentrum als neuer Anziehungspunkt geschaffen werden kann, welches durch den sich anschließenden Marktplatz komplettiert wird. Neubauten im Zentrum für Arztpraxen, Büros, Wohnungen usw. sind durch eine erste Gebietserschließung möglich. Die Öffnung der Zugänge, die Anlage des Grünen Boulevards und der gestalteten Grünflächen an denen es im Stadtteil mangelt, werden als vorrangige Ziele im Entwicklungsprozess des Areals eine Attraktion für die umliegenden Wohnquartiere darstellen. Für die Autoerschließung werden die vorhandenen Straßen genutzt. Anfangs wird südliche Freie Straße noch wird für einen Durchfahrverkehr geöffnet.
Im weiteren Verlauf des Entwicklungsprozesses werden die gestalteten Grünflächen ausgeweitet. Die Haupterschließungsachsen werden angelegt und ermöglichen dann die Entwicklung der historischen Immobilien und der Wohnnutzung im Bereich der Gruson-Villa. Der rudimentäre Landschaftsraum gewinnt von Stufe zu Stufe mehr Struktur und wird in andere Nutzungen überführt. Falls noch keine Nutzung vorhanden ist, müssen die historischen Immobilien in einem ersten Schritt gesichert werden, bevor sie dann möglichst zügig einer Nutzung zugeführt werden können. Eine geringere Priorität innerhalb des Entwicklungsprozesses besitzen die Bildungseinrichtungen. Diese werden erst dann benötigt, wenn das Entwicklungsgebiet stark belebt und bewohnt ist. Dann können auch die älteren Einrichtungen aus der Umgebung auf attraktivere Flächen innerhalb des Entwicklungsgebietes übersiedeln. Am Ende des Entwicklungsprozesses, soll das Lager der ansässigen Maschinenbaufirma Enercon auf die Flächen der heutigen Berufsschulen umgesiedelt werden, um die notwendige Verkehrsanbindung dieses Unternehmens ohne Straßenneubau zu gewährleisten. Auf den freiwerdenden Flächen kann sich dann ein neuer Gewerbebereich ausbilden. So entsteht stufenweise ein in sich funktionierendes Quartier, das seine Umgebung integriert.
Die Wohnnutzung ist der Vertiefungsbereich der vorliegenden Planung. Typisch für diesen Bereich ist eine in sich geschlossene Bebauung. Die ehemalige Konsumanstalt bildet die Grenze zur Straßenfront. An der Freien Straße entlang war eine übermannshohe Mauer, so dass die Gruson-Villa selbst und ihr dazugehöriger Park abgeschottet und ruhig gelegen waren. Diese Vorgabe „Beruhigung des Wohnbereichs durch Umfriedung“ wird aufgegriffen und in unterschiedlichen Ausprägungen umgesetzt.
Typen von Einfamilienhäusern, Gartenhofhäusern werden entwickelt, die einen ganz privaten introvertierten Hof besitzen. Die Belichtung und Belüftung der Zimmer erfolgt über Diesen.
Auch im historischen Altbestand wird dieses Thema aufgegriffen. Die historische Außenmauer und das Stützenraster bleiben erhalten. Atrien werden eingefügt und es entstehen vier Winkeltypen, die unterschiedliche Nutzungen ermöglichen. So wurden Typen für Appartements, Familienwohnungen, Haus im Haus, Betreutes Wohnen und große Loftwohnungen entwickelt.
Im Bereich der Wohninsel wurde das Wegeraster aus der historischen Situation abgeleitet, welches, um die Realisierung neuer Wegebeziehungen vervollständigt, das Erschließungsraster für die Entwicklung bildet. Der Strubepark bildet dabei eine große grüne Grenze zur stark frequentierten Warschauer Straße. Wenige erhaltenswerte Gebäude sind als historische Grundsubstanz in die neue Bebauung integriert und strukturieren diese deutlich.
Die historische Blockrandbebauung bot den Bewohnern im Hofbereich einen halböffentlichen Bereich, der mehr die Funktion einer Nutz- statt einer Aufenthaltsfläche hatte. Die neue Wohnnutzung soll etwas abgerückt vom öffentlichen Erschließungsraum angeordnet sein mit halböffentlichen Grünflächen vor dem Haus. Die Höfe werden zur Straße hin geöffnet. Über sie findet die Erschließung der Häuser und Wohnungen statt, um ihn zusätzlich zu beleben und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.
Im Bereich des ehemaligen Bahnhofs Buckau wurde der axiale Verlauf der Bahnlinien der Entwicklungsplanung zugrunde gelegt. Daraus wurde eine parallele Anordnung von Erschließung, Bebauung und Grünbereich abgeleitet. Zur heutigen befahrenen Eisenbahnstrecke hin wird es durch eine grüne Raumkante abgegrenzt. Wenige erhaltenswerte Gebäude werden in die neue Bebauung integriert und strukturieren Diese. Der Lokschuppen wird in seiner heutigen Form erhalten und soll einer öffentlichen Nutzung beispielsweise als Tanzstudio und Veranstaltungsfläche dienen. Grundsätzlich soll die Bauflucht an der Straßenseite eingehalten werden, um die Erschließungsachsen deutlich zu markieren. In dieser Baureihe können Gebäude unterschiedlicher Länge geplant werden, die hauptsächlich der Büro und Arbeitsnutzung dienen.
Auch auf dem Gelände der ehemaligen Firma Schäffer und Budenberg wurde ganz ähnlich dem ehemaligen Bahngelände aus dem weitgehend parallelen Verlauf der Bahnlinien und Gebäudestellung eine axiale Feldbesetzung und Erschließung abgeleitet. Die neue Erschließung lehnt sich an das heutige Erschließungssystem an. Somit wäre vorerst eine Entwicklung des Geländes mit gleichzeitiger Nutzung durch den Containerservice möglich. Nach dem historischen Vorbild wird an der nördlichen und südlichen Gebietsgrenze gebaut und geparkt wird im zentral gelegenen Erschließungsbereich. In der Mitte dient ein langer Baumhain als ruhige Aufenthaltszone. Auch in diesem Planungsgebiet ist die Einhaltung der Bauflucht wichtig, um die historische Strukturiertheit des Gebietes in der Entwicklung weiterzuführen. Im Bereich der ehemaligen Bahnanlagen und des ehemaligen Geländes der Firma Schäffer und Budenberg wird hauptsächlich eine Arbeitsnutzung geplant mit ausgedehnten Büroflächen für innovative Arbeitskonzepte, analog zum Modellhaus K. In den hier geplanten Bürobauten würde auch wieder Coworking-Konzepte, Gemeinschaftsateliers und vereinzelt Atelierwohnungen verwirklicht werden. Ergänzend dazu ist eine Nutzung für Fitnesscenter, Kopierservice usw. denkbar, um eine optimale Infrastruktur für die flexible Arbeitswelt zu gewährleisten.

Susanne Meichsner
Susanne Olm

Letzte Änderung: 27.11.2013
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