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3. Schule Leipzig

Erläuterungsbericht

Grundschule Südvorstadt

„Ein Kind hat drei Lehrer. Der erste Lehrer sind die anderen Kinder. Der zweite Lehrer ist der Lehrer.Der dritte Lehrer ist der Raum.“
(schwedisches Sprichwort)

Das Grundstück des Schulneubaus befindet sich in der Leipziger Südvorstadt, zwischen der starkbefahrenen Arthur-Hoffman-Straße im Westen, der Bernhard-Göring-Straße im Osten, sowie der Scharnhorststraße im Norden und der Verlängerung der Hardenbergstraße im Süden. ImZusammenhang ergänzt und bei den Entwurfsüberlegungen mit einbezogen wird der Steinplatz, eineGrünanlage im südlichen Teil, welcher historisch und städtebaulich gesehen zum Gesamtareal gehört. So entsteht eine durch Sichtachsen, ursprüngliche Stadtteilstruktur und frühere Blockrandbebauungbestimmte „natürliche Dreiteiligkeit“ die das Grundstück in drei einheitliche Quartiere teilt.

Diese drei Quartiere sind Teil eines städtebaulichen Konzeptes als „Stadtteilpark“ mit unterschiedlichen Funktionen. So gibt es den Südteil, als „öffentliche“ Grünanlage – den Mittelteil, als „halböffentliche“Sportanlage – sowie der wichtigste Bereich, der „private“ Nordteil, auf den sich das Schulgeländeerstreckt. Diese funktionieren als Einheit, sind aber differenziert durch die Fortführung der Verkehrsachsen als Fußgängerzonen.

Der dreigeschossige Schulneubau fügt sich so in die umgebende Landschaft ein, dass möglichst viele der vorhandenen, den Charakter des Ortes prägenden Bäume erhalten werden können. Er orientiert sich nach Süden, dem Sportquartier sowie dem wichtigen Sonnenlicht, als auch nach Westen zur Bernhard-Göring-Straße, der wesentlich ruhigeren Verkehrsachse. Vom Osten, der mit enormer Lärmbelastung behafteten Arthur-Hoffman-Straße, grenzt sich das Gebäude bewusst ab. Dementsprechend sind auch die Funktionen verteilt. Das Gebäude besteht klar erkennbar aus zwei „L-förmigen“Körpern. So gibt es das „Funktions-L“ in dem sich sämtliche Funktions-, Verwaltungs- und Wirtschaftsflächen befinden und das sich nach Nord-Ost orientiert, sowie das „Schüler-L“ welches die Klassenzimmer und Gruppenräume beherbergt die sich nach Süd-West präsentieren. Dabei bildet das„Funktions-L“ eine Schutzzone, die die sensiblen Unterrichts- und Aufenthaltsbereiche der Schüler vom problematischen Ostteil des Grundstücks abgrenzt. Die setzt sich auch in der Fassadengestaltung fort, bei dem das „Funktions-L“ als „harte Kante“ eine „mauerähnliche“, massiv wirkende, geschlossene Fassade vorweist, während das Fassadenbild des „Schüler-L’s“ durch einen hohen Glasflächenanteil, Offenheit demonstriert. Verstärkt wird das ganze durch den sich nach Südosten öffnenden Innenhof, dervon den beiden Gebäudekörpern eingegrenzt wird. Die Öffnung des Innenhofes, der auch als Pausenhof dient, wird dadurch möglich, dass sich das „Schüler-L“ nur über das erste und zweite Geschoss erstreckt. Gestützt wird dieser Gebäudeteil durch „Schotten“ die aus den raumtrennenden Wänden der Klassenzimmer heraus entstehen und somit nicht nur Tragfunktion inne haben sondernauch klar die Gebäudestruktur erkennen lassen. Darüber hinaus entsteht eine Pufferzone die Schulhofund Stadtbereich differenziert, doch nicht klar abtrennt um somit eine „Offenheit“ der Schule nachaußen zu demonstrieren.

Der dritte markante Baukörper ist der zylindrische Eingangs- und Gemeinschaftsbereich. Dieser imInnenhof liegende gläserne Gebäudeteil bildet das Zentrum der Schule und ist vom Außenbereich der Schule her gut zu identifizieren. Erkennbar vom Rest des Neubaus abgegrenzt, bildet er doch eine Art Sonderbereich mit dem öffentlich zugänglichen Mehrzweckraum sowie der Haupterschließung und kannauch autark, bei nicht stattfindendem Schulbetrieb funktionieren. Er verbindet das auf Funktionsflächenbeschränkte Erdgeschoss mit dem im ersten Obergeschoss gelegenen Hortbereich, sowie den imzweiten Obergeschoss gelegenen Schulbereich. Die Gruppenräume des Hortes und die Klassenzimmerdes Schulbereiches sind in Modulen zu vier Räumen, also einer Klassenstufe, angeordnet. Um dieOrientierung der Schüler zu erleichtern sind diese versetzt platziert. Dadurch entsteht eine Einganszonedie jeden Klassenraum gleichberechtigt erschließen lässt.
Die Verkehrswege des Schulgebäudes fungieren gleichzeitig als Aufenthalts- und Pausenbereiche. Siesind bespielt mit Lern-, Lese, Kuschel- und Spielnischen die die reine Erschließungsfunktion der Flureerweitern und die individuelle Förderung der Kinder ermöglichen sowie deren Ansprüche an spezifische Lernsituationen.

Der Außenbereich des Schulgeländes wird durch Grünflächen dominiert. Während sich im Westen die Park- und Stellplätze direkt an die Bernhard-Göring-Straße anschließen, befindet sich im Süden der Schulgarten sowie die Hauptzuwegung zum Innenhof und dem Schuleingang. Weiterhin südlichbefindet sich auf kurzem Wege das Sportquartier mit Dreifeldsporthalle, Laufbahnen sowie Weitsprung- und Wurfanlagen.

Das Gebäude wird als massive Konstruktion aus tragenden Wänden und Stützen aus Stahlbeton undStahlbetondecken errichtet. Die Fassaden werden dem Passivhausstandard entsprechend gedämmtund mit einer hellen Metallfassade verkleidet. Die südlichen und westlichen Fassaden sind mit einemfarbigen Lamellensystem aus Streckmetall versehen, die sich je nach Bedarf verstellen lassen. Dienördliche und östliche Fassade besteht aus einem Mosaik von dunkleren und helleren Steinplatten dieauf der einen Seite eine harte Kante zu den problematischen Bereichen des Grundstückes bilden unddamit die sensiblen Schulbereiche davon abgrenzen, doch auf der anderen Seite nicht eintönig und leblos wirken.

Stephan Iser

Letzte Änderung: 27.11.2013
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