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Diplom Nils Ehlers: Revitalisierung des Wirtschaftshofes der Klosteranlage Osek

Betreuer:
Prof. diparch (GB) Henning Rambow
Prof. Dr.-Ing. Annette Menting

Lage des Klosters

Das Zisterzienserkloster liegt in Tschechien, wenige Kilometer entfernt von der Grenze Deutschlands. Die Stadt Osek zählt mit den zur Gemeinde gehörenden Dörfern etwa fünftausend Einwohner. Sie liegt direkt am Fuß des Erzgebirges zwischen den Städtchen Teplice, Most und Chomutov.

Problemstellung:

Erst nach der „Samtenen Revolution“ 1989 zieht nach Osek neues zisterziensisches Leben ein. Gemeinsam mit dem Orden bemühen sich Bürgerinitiativen um eine Sicherung und schrittweise Instandsetzung des baulichen Klosterbestandes. Mit nationalen und internationalen Fördergeldern wurden einige Teile des teilweise sehr verfallenen Klosters, insb. die Stiftskirche, gesichert und rekonstruiert und grundlegende Untersuchungen zu Gebäuden und Schadensuntersuchungen durchgeführt. Zur nachhaltigen wirtschaftlichen Sicherung des Klosterbetriebes muss allerdings auch an die wirtschaftlich reiche Vergangenheit des Klosters angeknüpft werden. Zeugen dieser wirtschaftlichen Vergangenheit bilden die Gebäude des nördlichen Wirtschaftshofes: das Malz- und Brauhaus, ein Rentamt, eine Mühle, eine Orangerie, Lagerräume und ein weit verzweigtes Kellergewölbe. Die Bauwerke der Zisterzienser zeichnen sich auch hier durch ein komplexes System zur Wasserver-  und -entsorgung aus. Zum Beispiel wurde schon früh die Versorgung der Brauerei mit Frischwasser durch eine nahe liegende Frischwasserquelle gesichert. Weiterhin gibt es ein weit verzweigtes Wassernetzwerk mit Stollen, Wasserbecken, Springbrunnen, Kaskaden und einer angeschlossenen Wassermühle.

Heute ist das Ensemble des Wirtschaftshofes weitgehend ungenutzt oder wird sporadisch als Lagerfläche verwendet.  Die Produktionsgebäude sind nur noch teilweise erhalten, das alte Malzhaus brande 1945 bis auf die Aussenmauern ab, die bauliche Infrastruktur ist aber in ihren Grundzügen weitestgehend noch erkennbar. Als Nationales Denkmal ist das Kloster Osek ein Ort mit großer Strahlkraft für ganz Nordböhmen und darf nicht isoliert als ein rein denkmalpflegerisch verstandener „Sanierungsfall“ betrachtet werden. Vielmehr bietet es aus seiner zisterziensischen Geschichte und seinem Geistesleben heraus, mit seiner Architektur und Gartenkunst eine niveauvolle Möglichkeit, positive kulturelle und ökonomische Impulse für Osek und die Region zu geben.

Seit einiger Zeit gibt es Bemühungen vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Pillnitz und des Freundeskreises Kloster Osek, die Tradition des Obstanbaus neu zu entwickeln und zu einer Stütze der wirtschaftlichen Selbstständigkeit auszubauen. Mit seinem Altbestand an Obstgehölzen, den zur Verfügung stehenden Flächen, dem wertvollen architektonischen Rahmen und seinem Vermarktungspotential bietet es sich in mehrfacher Hinsicht an, den eigenen Obstbestand zu verwenden um die Erträge des Klosters zu erhöhen und damit zur Sicherung des Bestandes und des Klosterlebens beizutragen. Die europäischen Verbraucher fragen vermehrt nach Bio-Produkten, ein Trend, der durch Fleischskandale und diverse andere schlechte Meldungen aus dem Lebensmittelbereich begünstigt wird. Im Jahr 2005 sind die Erlöse, allein in Deutschland, aus dem Absatz von ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln nach Schätzungen auf fast vier Milliarden Euro angestiegen. Dies entspricht einem Wachstum von 10 bis 15% gegenüber dem Vorjahr, eine Tendenz, die bereits mehrere Jahre andauert. Supermärkte und Drogerieketten haben sich auf die Verbraucherwünsche eingestellt und nehmen Ökoprodukte ins Angebot.

Aufgabe und Entwurf:

Da die Nachfrage an Bio-Produkten eine große Akzeptanz in der Bevölkerung findet, ist das Kloster mit seinem alten wertvollen Obstbestand, mit dem wertvollem architektonischem Rahmen und seinem Vermarktungspotential und mit dem traditionellen Wissen der Mönche ein idealer Produktionsstandort. Mit dem Hintergrund der o. a. Punkte soll innerhalb der teilweise erhaltenen Produktionsgebäude der alten Mälzerei eine Kelteranlage für Obstsäfte errichtet werden. Ausgegangen wird von einer jährlichen Produktion von ca. 30.000 bis 50.000 Liter Obstsaft, der teilweise aus dem eigenen Obstbestand, teilweise aus Zukäufen gewonnen wird. Darüber hinaus soll eine Brennerei gebaut  sowie für Besucher der Gesamtanlagen ein Ausschank und ein Schauraum realisiert werden.

In der Diplomarbeit soll untersucht werden, ob die oben genannten Produktions- und Lagerräume innerhalb der existierenden Grundmauern der Mälzerei funktional sinnvoll realisiert werden können bzw. wie der Bestand  und das restliche Raumpotential des Wirtschaftshofes durch Anbindungen an die bestehenden und neu zu schaffenden Infrastrukturen genutzt werden können. Ein weiterer Aspekt der Bauaufgabe soll die Untersuchung der weitgehenden Unabhängigkeit der Anlage vom öffentlichen Energie- und Wassernetz werden. Dazu sollen Aspekte der ursprünglichen Klosteranlage einbezogen werden: das Kanalsystem kann als Wasserlieferant der Kelterei genutzt werden, die entstehende Biomasse kann verwertet und die ehem. Orangerie kann zur Gewinnung solarer Energie genutzt werden. Damit können die teilweise zerstörten Gebäude der Kloster- und Parkanlagen mit neuen bzw. neu interpretierten Nutzungen wieder verwendet, Fehlstellen zeitgemäß neu gefüllt und das Ensemble der Gesamtanlage vervollständigt werden.

Entwurf

Die Entscheidung, die neue Kelterei im alten Malzhaus des Wirtschaftshofes zu integrieren, ist in zwei Punkten begründet. Zum einen erklärt sich der behutsamen Eingriff in die bestehende barocke Struktur des Wirtschaftshofes dadurch, dass dieser schon ab dem 16. Jahrhundert die wirtschaftlichen Funktionen des Klosters vereinte. Damit gibt es keine Gründe, große strukturelle Änderungen vorzunehmen. Die historischen Bewirtschaftungsformen können wieder zu einer wirtschaftlichen Grundlage der klösterlichen Gegenwart werden.

Im Weiteren bietet das alte Malzhaus mit seinen 1,2 Meter dicken Mauern gute wirtschaftliche Argumente für die Unterbringung des Kelterbetriebes: im Kellergewölbe herrschen gute klimatische Bedingungen, um Säfte und andere gewonnene Produkte zu lagern. Somit besteht auch ein hohes Potential an Einsparmöglichkeiten, da sich große Investitionen - etwa in Kühlaggregate - und deren Folgekosten erübrigen.

Der Entwurf beruht auf der Idee, das alte Gebäude mit einer neuen zeitgemäßen Produktion zu füllen und der Klosteranlage gleichzeitig eine weitere Attraktion zu geben: neben Kelterei mit Schauproduktion, Verkostung und Produktpräsentation sind auch ein Informationszentrum und ein Restaurant für die Klosterbesucher geplant.

Damit entsteht wieder die wichtige funktionale und räumliche Grenze zwischen Wirtschaftshof und barockem Garten, aus dem die zu verarbeitenden Früchte für die Mosterei kommen.

Der Neubau wird auf die Mauern des alten Gebäudes aufgesetzt, vom entstehenden Raum zwischen alter Bestandsmauer und neuer Kelterei aus wird es möglich sein, den Produktionsprozess zu verfolgen. Alle neuen Anforderungen an die Arbeitsabläufe, Hygiene und Arbeitsschutz werden im Neubau realisiert, um den erforderlichen Standard zu erreichen. Den neuen oberen Abschluss des Gebäudes werden das Restaurant und der Bürgersaal bilden, die den Neubau auch als solchen erkennbar machen.

Letzte Änderung: 27.11.2013
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