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Alltag Kultur Tourismus - Ein Kulturzentrum für Ahrenshoop

Entwurfskonzept und Erläuterung

Die Arbeit sieht vor, neue Impulse in der Künstlerkolonie Ahrenshoop, durch eine Quervernetzung in verschiedenen Ebenen der Bandsiedlungsstruktur, zu setzen. Es werden vorhandene Querachsen aufgegriffen, unterstrichen oder neu interpretiert.
Der Entwurf schafft eine neue Querachse der Kultur. Schwerpunkt ist dabei ein Museum mit Seminargebäude, zur Ausstellung und Schaffung regionaler Kunst, die den Künstlerort  Ahrenshoop in seiner Lebendigkeit unterstützen sollen.
So werden gegebene Themen des Landstrichs aufgegriffen, um den Blickwinkel darauf zu erweitern. Im Vordergrund steht dabei immer der Gedanke an die Nähe der beiden Uferzonen der Ostsee und des Saaler Boddens, mit ihren unterschiedlichen Landschaftsstimmungen, eine Besonderheit mit großem Potential, welches jedoch derzeit nicht optimal genutzt wird. So tritt an diese Stelle ein artifizieller Landschaftspfad, der sich punktuell zu Gebäuden formt. Wichtig dabei ist, dass das künstliche Architektur und Landschaft immer in Beziehung stehen.
Die Achse verbindet sowohl die Ufer miteinander, als auch Alltag, Kultur und Tourismus miteinander verknüpft werden.

Über der höchsten Erhebung des Ortes Ahrenshoop hinweg, dem Schifferberg mit seinen 12 Metern, entsteht eine neue Verbindungsachse zwischen Ostseeküste und dem Saaler Bodden.
An einem der dafür prädestinierten Standorte der Gemeinde verfällt im Moment das alte Kurhaus und dem vorgelagert, ist ein ausdrucksloser Schotterparkplatz, welchen den ersten möglichen freien Blick auf die Ostsee verhindert. An dieser Stelle ist weder die Küstenlandschaft des Meeres in ihrer Schönheit spürbar, noch kann man erahnen, dass sich das Boddenufer in nur 800 Metern Nähe befindet.
Östlich an das Kurhaus schließt der Schifferberg an, der den Übergang zwischen Küstencharakteristik und Boddenlandschaft herstellt. In meinen Augen stellt ein Querschnitt diese Ortes durch seine spannende, abwechslungsreiche Topographie und gebündelt auftretenden unterschiedlichen Landschaftsbildern die Stelle mit dem größten ungenutzten Potential der Siedlung dar, deshalb möchte ich nachfolgend meine Idee für die Schaffung eines neuartigen Kulturzentrums für Ahrenshoop darlegen.  

Der Entwurf sieht vor, Platten in verschiedenen, horizontalen Ebenen zu verbinden, um so eine künstliche Landschaft zu kreieren. Es formt sich ein der Umgebung bzw. den Höhenlinien anpassender, artifizieller Weg. Dieser bindet zum einen beide Ufer ein und schafft es, durch eine Auffaltung ins Dreidimensionale ein Kulturprogramm aufzunehmen und anzubieten.
Der geschaffene Strandzugang mit Café und Parkhaus stellt dabei den Anlaufpunkt für Erholungstouristen dar. Animiert durch einen von der Straße aus gut einsehbaren Skulpturenpark am alten Kurhaus, welches hier als Sanierung im Sinne der ursprünglichen Nutzung als  Veranstaltungsgebäude neben einer Hotelnutzung geplant ist, sollen diese dann über eine Brücke Richtung Bodden geleitet werden.
Diese Brücke überquert die stark befahrene Hauptverkehrsstrasse und schwächt optisch den Einschnitt dieser Längsachse, jedoch nicht funktional. Gleichzeitig ist somit die Basis zur Quervernetzung an dieser Stelle geschaffen.
Ein angelegter Pfad führt die Besucher dann durch die bezaubernde Idylle. Über Rampen und Treppen weist dieser den Weg zum Museum.  Blicke durch den Rahmen der artifiziellen Architektur lassen dabei eine berauschende Sicht auf den Bodden zu. Gelegentlich hebt er sich von der Landschaft ab, ähnlich eines Steges, dann formt er wiederum Wände und Dächer, um die Gäste dann erneut in die Natur zu entlassen und sie nur mit Hilfe einer Linie, in Form einer in den Boden eingelassenen Stahlschiene, zum Museum, dem Knotenpunkt der Achse zu führen. Material und Form grenzen das Gebäude zwar klar von der Natürlichkeit ab, doch kann man durch Rahmen – wie ein Bild an der Wand – die Landschaft bestaunen, die so in den künstlichen Raum geholt wird und in Beziehung mit diesem tritt.
Bevor der Betrachter jedoch das Museum erreicht, wird er über Stufen vorbei am separaten Eingang des kleinen Verwaltungstrakts, über verschiedene Ebenen der geschaffenen Landschaft geführt. Die vor- und zurückspringende Fassade des Museumsbaus lässt Einblicke in das Haus und die Ausstellung zu.

An das Museum ist ein Seminargebäude angereiht, welches flexible Räume für angehende Künstler bieten soll. Schulungswochen von traditioneller Landschaftsmalerei, über Bildhauen bis hin zu den neuen, medialen Künsten wie Fotographie, Film, usw. könnten somit angeboten werden. Das Gebäude verfügt des weiteren über eine große Zeichenterrasse, mehrere Seminarräume, die gegebenenfalls multifunktional zusammengeschlossen werden können, ein Mediallabor, einen Gruppenraum mit Küche und Schlafmöglichkeiten für bis zu 15 Personen und den dazugehörigen Sanitärtrakt.
Die Integration einer solchen Einrichtung innerhalb des Pfades soll auf der einen Seite Ahrenshoop in seiner Funktion als lebendiger Künstlerort unterstützen und andererseits Kunstinteressierte und dem entsprechend wirtschaftliche Förderer in einer ansprechenden Atmosphäre näher zusammenbringen. Seminargebäude und Museum sind getrennt von einer Treppe, die ins Grün der Spitze des Schifferberges führt. Gebäude, Weg und Landschaft stehen immer in enger Verbindung.
Betritt man nun das Foyer, wird man auch im Innenraum von Blicken auf die Landschaft bzw. Lichtquellen auf den Rundgang, welcher das Ausstellungskonzept umfasst, durch das Museum geleitet. Am südlichsten Punkt des Gebäudes biegt man um eine Ecke und blickt dann durch das in Übergröße geschaffene Panoramafenster auf das Naturschutzgebiet der Vorpommerschen Boddenlandschaft. In diesem Raum wird das traditionelle Ausstellungskonzept aufgelockert. Ein integriertes Literatur-Café lädt den Interessieren zum verweilen ein. Im niveauvollen Ambiente von Möbeln und Couchen kann bei einem Kaffee nicht nur die einzigartige Landschaft durch die großen Fenster erlebt werden, sondern auch die Interpretationen eben dieser durch verschiedene Künstler. Zudem steht dort eine kleine Bibliothek zur Verfügung, um noch intensiver über Literaten, Maler, Bildhauer und Fotographen aus Ahrenshoop und Umgebung sowie die Geschichte der Region zu informieren.
Zurück im Rundgang gelangt man in einen kleinen Hof der Skulpturen. Vorbei an einem Schilffeld, welches vom Innenraum des Museums in den Hof übergeht und weiter überragt bis in den Außenraum. Dies beschreibt eines der Felder, implantierter Natur der dortigen Landschaft. An dem Feld mit Schilfbewuchs vorbei gelangt man wieder ins Foyer und hat so den Rundgang beendet.
Dem Pfad weiter folgend Richtung Bodden, gelangt man über eine lange, sich ins Gelände grabende Treppe zu dem bestehenden Radweg. An dieser Kreuzung bildet der Pfad einen Info-Point, um von dieser Seite aus Besucher neben möglichen Schilfausflügen in die Boddenlandschaft auch für Kunst zu begeistern und auf die sich bietende Kulturachse aufmerksam zu machen.
Anschließend quert der Weg sehr gradlinig die Fläche, um somit der flachen Ebene gerecht zu werden. Bis hin zum Ufer des Bodden, wo ein Ausblick, über dem Wasser schwebend, den Abschluss der geschaffenen Achse bildet.
Die homogene Quervernetzung zwischen der bereits touristisch erschlossenen Ostseeküste und dem landschaftlichen Saaler Bodden wäre hiermit geschaffen.

Rita D. Schmidt

Letzte Änderung: 27.11.2013
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