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Musikkloster

Erläuterungsbericht

Inhalt des selbstgewählten Diplomthemas war das Entwerfen eines Gebäudes, in das Musikgruppen, wie z.B. Schulorchester oder -chöre fahren, um dort für eine bestimmte Zeit intensiv zusammen proben zu können. Sie finden dort Unterkunft und Vollverpflegung, sowie räumlich und akustisch optimale Bedingungen vor.

Die Musiker sollen sich ganz auf die Musik konzentrieren können, sozusagen in Klausur gehen. Das Gebäude ist typologisch gesehen also ein Kloster, "Musikkloster".

Der dafür vorgesehene Standort befindet sich im Leipziger Musikviertel, in der Nähe des Zentrums und der Musikhochschule und gleichzeitig auch naturnah, auf der Parzelle, die von der Karl-Tauchnitz-, der Wächter-, der Grassi und der Ferdinand-Rhode-Straße begrenzt wird, und auf der heute von ursprünglich vier Villen nur noch die ehemalige Villa Credner, restauriert und genutzt als Galerie für zeitgenössische Kunst (GfzK), erhalten ist.

Die drei freien Grundstücke sind Bestandteil des doppelreihigen Villengürtels, der das Musikviertel zweiseitig umgeben hat, bevor Bombenangriffe des zweiten Weltkrieges viel zerstörten, und die Lücken in den 70er Jahren durch Bauten des komplexen Wohnungsbaus gefüllt wurden.

Die Anlage des Musikklosters fügt sich in die städtebauliche Struktur ein nimmt die durchgrünte, offene Villenstruktur auf.

So zeigen sich das "Dormitorium" (Bettenhaus) sowie "Refektorium" (Speisesaal, Küche und Gemeinschaftsräume) als Gebäude im "Villenmaßstab" oberirdisch.

Die Probenräume als Herzstück des Ensembles sind in der Mitte des Grundstücks angeordnet, befinden sich sozusagen im Klosterhof. Dieser ist allerdings aufgrund der besonderen städtebaulichen Situation und zum Zweck der Abgeschiedenheit zwei Geschosse tief in der Erde versenkt und mit einer horizontalen Glasfläche überdacht, die auf einer Ebene mit der Grasnarbe liegt und aus der die Probenräume als schwarze, raue Betonkörper heraustreten.

Unter dieser Glashaut befindet sich u.a. als verbindendes Element eines Klosters der um die Probenräume herumführende "Kreuzgang", der beim Beschreiten unterschiedliche Qualitäten erfahren lässt, zur kontemplativen Vitalisierung der Sinne gedacht ist und zugleich auch als Fluchtweg für die Probenräume dient.

Die Glashaut ist zum einen als abschirmende, schützende Membran gedacht, zum anderen als Anzeige der Probenintensität: Wird in einem der Räume musiziert, beginnt die Glasfläche zu leuchten.

Als auffallender Haupteingang ragt ein schräger Gang in das von den Probenräumen gebildete Atrium hinab, der das "Ab- bzw. Auftauchen" wahrnehmbar macht.

Während das Refektorium eine funktionale Verschränkung mit dem "Klosterhof" aufweist und dies formal auch zeigt, sowie es diagonal mit der Dachterrasse der GfzK korrespondiert, löst sich das Dormatorium nahezu vom restlichen Komplex, indem es im EG aufgeständert ist. Es bildet ein Atrium um eine prachtvolle erhaltenswerte Blutbuch und bezieht diese räumlich mit ein, indem sich alle Schlafräume zu ihr richten. Von nahezu jedem Raum ist der Blick durch verglaste Felder über der Tür und die großen Flurfenster, bzw. direkt möglich, sowie auch die akustische Nähe über drehbare Glaslamellen. Da die Altersspanne der zu erwartenden Musiker groß ist, bietet das Haus für Kinder und Jugendliche zwei große Schlafsäle mit mobilen Betten und Schränken zur Bildung individueller Möblierungen, sowie für Erwachsene sehr karg gehaltene Einzelkammern mit jeweils Dusche und WC.

 

Alle Gebäude und Räume sind barrierefrei zu erreichen, auf zahlreiche Fluchwege und ihre Lage wurde, besonders in den Untergeschossen, geachtet.

Das Grundstück an der Karl-Tauchnitz-Straße ist durch ein schlichtes Gebäude besetzt, das funktional der GfzK zugeordnet ist und anstatt des weggenommenen Kutscherhauses eine Künstlerwohnung, ein offenes Atelier, eine Ausstellungsfläche und PKW-Stellplätze beherbergt.

Damit ergibt sich präsent an der belebten Straße eine Kunstnutzung, während die Bereiche für die Musik in der ruhigere zweite Reihe rücken.

Die gesamte Parzelle mit der Glasfläche und den Flachdächern der Probenräume ist frei begehbar. Die Gebäude des Musikklosters sind im Normalfall nicht der Öffentlichkeit zugänglich, da sie haptsächlich der ungestörten Probentätigkeit dienen.

Am Ende einer so intensiven Zeit des Musizierens steht jedoch häufig ein Abschlusskonzert für Eltern, Freunde, Interessierte. Hierzu lässt sich der große Probensaal zu Konzertzwecken umrüsten.

Die Arbeit vertieft sich in der Durcharbeitung dieses Saales, der auf unterschiedliche Nutzungsanforderungen in bezug auf Ensemblegröße und verschiedene Musikgenres reagieren muss.

Das Raumakustikkonzept beruht auf variablen Elementen, die jedoch optisch einheitlich und deshalb ruhig wirken.

Als Möbelobjekt, sozusagen als Gebrauchsskulptur wurde ein Notenpult entwickelt, das einhändig höhenverstellbar ist. Es besteht aus einer Plexiglasplatte mit zwei Bohrungen, die allein durch Klemmung an einem Edelstahlständer hält. Im Gegensatz zu herkömmlichen Pulten wirkt es sehr transparent und leicht.

Daria Hartig

Letzte Änderung: 27.11.2013
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