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World-Trade-Center im "Messe-Hafen" Leipzig

geschichtliche Hinweise Messe Leipzig
Stadtrechtsverleihung 1165über 800-jährige Stadt- und Messegeschichte
Standortwechsel der Messe Kreuzung der mittelalterlichen Fernhandelsstraßen via imperii (Nord-Süd) und via regia (Ost-West) (etwa heutiger Richard-Wagner-Platz)
Warenmesse im Mittelalter späterdirekt auf Marktplatz charakteristische Bürgerhäuser, die, um einen Binnenhof angelegt, Wohn- und Handelszwecken gleichertmaßen dienten Renaissance - Durchhof Barock - Durchgangshaus
Übergand zur Mustermesse Ende des 19. Jahrhundertsneuer Bautypus - Messepalast Über 30 Messehäuser in Innenstadt, weitere Umbauten, teiweise riesige Baublöcke,  starke Veränderung der Stadtstruktur im Stadtzentrum
bis 1920traumhafte Monopolstellung und Anspruch zur Weltmessestadt
Technische Messe ab 1920Benutzung des 1913 angelegten Ausstellungsgeländes der IBA am Fuße des Völkerschlachtdenkmals Ost - West - Kontakte
Menschliche Messe Neue Messe - Leipzig 25.08.1995Grundsteinlegung der Neuen Messe im Norden der Stadt überregionaler Messeplatz
April 1996Eröffnung

Stadtanalyse                                                                                                                                                       Das Gelände der Neuen Messe Leipzig ist günstig an die überregionalen Adern des Straßen-, Schienen- und Luftverkehrs angebunden. Im Norden wird die Messe von der Autobahn A14 Halle–Dresden , im Westen von der Bundesstraße B2 und der Deutschen Bahn, im Süden und Osten von Natur und Landschaft begrenzt. Eine neue ICE–Strecke mit Haltepunkt Messebahnhof wird voraussichtlich dieses Jahr fertiggestellt. Der erweiterte Flughafen Halle–Leipzig ist mit dem Auto in etwa 10 Minuten erreichbar. In das Messegebiet gelangt man von beiden Messeausfahrten der A14, zwei Abfahrten der B2, dem Mockauer Ring, der Seehausener Allee. Großmaßstäblichkeit und weite, brache Flächen prägen das Gelände.
Der Versuch, mittels der klassischen Qualifizierung der Situation in Bezug auf die Stadt, sich dem Gebiet der Neuen Messe zu nähern, führt zu folgenden Erkenntnissen:
Aus morphologischer Sicht ist keine gewachsene Struktur zu verzeichnen. Es scheint, als sei das Gelände “plötzlich dagewesen”. An den ehemaligen Flugplatz Mockau erinnern das denkmalgeschützte Empfangsgebäude und der Tower, ihre Kleinmaßstäblichkeit an Stadt.
Die Stadt hat Quartiere mit internen Erschließungssystemen. In ihr halten Vorgärten den Abstand.
“Felder” mit internen Erschließungssystemen prägen das Messegelände. Weite Wiesen sind Abstandhalter.
3 “Felder” bestimmen das Bild des Messegeländes von Süd nach Nord:    -Quelle    -Messe    -Sachsenpark

1992/93 wurde die Rahmenplanung des Leipziger Nordens durchgeführt. Der parallel entwickelte, aus sieben Teilbebauungsplänen bestehende Bebauungsplan wurde 1993 fertiggestellt und umfaßt ein 535ha großes Gelände um die Messe. Der B–Plan 1 sieht für die “kleineren Felder” entlang der B2 gründerzeitähnliche Blockrandstrukturen vor. Zwei Baublöcke dieser Art sind nördlich realisiert worden. Die Nachfrage nach Büro- und Gewerbeflächen in Leipzig ist so gering, daß ein neuer Rahmenplan für das Gebiet wünschenswert ist. Hinzu kommt, daß die Umsetzung dieses Rahmenplanes den Blick von der B2 zur Messe komplett verstellen würde. Die Messe ist aber das Vorzeigeobjekt Leipzigs.

Geometrie und Bauordnung der Messe lassen erkennen, daß sie die Richtung der Quellebauten aufnimmt und laut Volkwin Marg “in Korrespondenz mit Wiederitzsch steht”. Die Gewerbebauten im Sachsenpark lassen den Versuch erahnen, sich an der A14 zu orientieren. Sämtliche Baukörper entsprechen dem großmaßstäblichen Hallentypus und Sonderformen. Im Gegensatz zur europäischen Stadt erscheinen die Baukörper schwer und liegend. Monumentalität ist spürbar. Ruhe wird ausgestrahlt.

Die topographische Situation läßt unschwer die Leipziger Tiefebene erkennen. Ein starker Kontrast ist die auf  –5,00m abgesenkte, parkartige, 2,5 km lange Messemulde, in der sich eine strenge, zentrale Ost–West–Achse mit den Haupteingangswerken Glashalle (West) und Ost und der Messesee befinden. Die Messemulde hat einen unauffälligen Beginn im Westen in Höhe der Straßenbahnhaltestelle zwischen und unterhalb Deutscher Bahn und B2, im Osten dagegen ein starkes und klares Ende in der Landschaft.

Ergebnis  der Stadtanalyse
Die Neue Messe liegt in der Peripherie. Peripherien entziehen sich den Regeln der Stadtanalyse. Die Gebäude der Neuen Messe stehen in keiner Beziehung zur Stadt. Deshalb kann dieser Ort nicht mit dem europäischen Städteverständnis und somit mit dem Blick aus der Stadt heraus greifbar und verständlich gemacht werden.

Ziel ist es, die westliche Grenze des Messe–Geländes entlang der B2 herauszuarbeiten. Momentan ist diese nur als eine Asphaltierte erlebbar. Die brachen Flächen sollen eine gestalterische Einheit in Nord–Süd–Richtung hinsichtlich landschaftlicher, baulicher und erschließungstechnischer Gesichtspunkte werden. Die Ausbildung der dritten Dimension birgt verschiedene Lösungsvorschläge.

Ein strategisches Band mit eigenen Wünschen und Regeln vereint die brachen Flächen entlang der B2 zu einem weiteren “Feld” von etwa 2 km Länge und bietet Möglichkeit einer Verankerung und Umlenkung der Messemulde und gleichzeitig eines Auftakts im Bereich der o. g. Straßenbahnhaltestelle. Es erstreckt sich vom Kreuzungspunkt A14 und B2 im Norden bis zum südlichen Zipfel Quelle und ehemaliges Zementwerk. Das Band wird mit dem bestehenden Erschließungssystem sehr gut erschlossen.

Genius loci
Eine weitere Möglichkeit, sich dem Ort zu nähern, sind subjektive Wahrnehmungen, Synonyme, Assoziationen und Analogien. Hierbei erinnert das Gelände an eine Hafensituation, das strategische Band ist die “Mole”, die Bauten der drei “Felder” sind Großobjekte–Schiffe. So stellt Quelle ein “Containerschiff”, die Messe eine “Luxusyacht”, die Gewerbebauten Sachsenpark “kleine Fischerboote” dar. Menschen sind “Fische” und entsprechen in diesem Kontext dem Streß- und Hektikfaktor eines Hafens. Es entsteht ein individuelles, fast surrealistisches, utopisches Bild, welches unterschiedliche Visionen zuläßt.

Fallstudien Bandbebauung
Eine mögliche und erforderliche Bandbebauung wird in drei Fallbeispielen erläutert.

1.

  • fast vollständige Bebauung mit gleichzeitiger Abnahme des Bauvolumens von Nord nach Süd
  • landschaftliches Zentrum im Bereich der Straßenbahnhaltestelle Messemulde

Kommentar: Eintreten bei hoher Nachfrage an Büro- und Gewerbeflächen

2.

  • Solitäre oder Großobjekte mit möglicher Bauvolumenabnahme nach Süd
  • landschaftliche Zentren sind Abstandhalter der Solitäre

Kommentar: “Wird in Leipzig ein Großobjekt umgesetzt, folgt erst einmal lange Zeit keines.”

3.

  • Beschränkung des Bebauungsraumes auf den nördlichen Bereich des Bandes zugunsten landschaftsökölogischer Gesichtspunkte
  • erlebbare Landschaftsachse in Nord–Süd–Richtung

Kommentar: Fallstudie 3 ist die realistischste und pragmatischste Antwort auf die schwache Konjunktur und niedrige Entwicklungsnachfrage Leipzigs. Der Bebauungsentschluß für den nördlichen Bereich begründet sich in der Tatsache, daß die Kreuzung A14 und B2 eine Torsituation der Stadt Leipzig, einen Auftakt beschreibt. Desweiteren wird der Kontext zwischen Messe und Handel im nördlichen Bereich aufgrund der möglichen Blickbeziehungen am stärksten wahrnehmbar. Das Mittelstück des Bandes wird der Ausarbeitung der Landschaft zur Verfügung gestellt, was im Gegensatz zum Bebauungsplan von 1993 eine uneingeschränkte Sicht von der Einfahrtsstraße B2 zum Glaspalast der Messe – dem Vorzeigeobjekt Leipzigs – gewährt. Hinzu kommen zwei realisierte Bürogebäude im Norden des Bandes, die regelrecht eine weitere Bebauung fordern.

Entwurf Landschaft
Das strategische Band wird landschaftliche Einheit.
Durch Umlenkung der Messemulde in Nord-Süd-Richtung und die damit verbundene Verankerung im Bereich der Straßenbahnhaltestelle World-Trade-Center entsteht eine Torsituation. Der topografische Kontrast zur typischen Leipziger Ebene wird verstärkt. Gleichzeitig ist die Landschaftsachse Park und “Privatgarten” zu Füßen des neuen World–Trade–Centers. In ihm befindet sich die Kindertagesstätte.
Ein neuer Hügel definiert das südliche Ende des Bandes und ermöglicht einen weiten Blick entlang der Landschaftsachse. Er ist das südliche landschaftliche Pendant der begrünten, zentralen Mülldeponie und steht in Korrespondenz mit dem benachbarten Naherholungsbereich Gypsberg in Mockau. Die Verwendung des Aushubs der neuen Landschaftsachse modelliert ihn.
Die Verbindung von Landschaftsachse und Messemulde wird im Bereich der Straßenbahnhaltestelle World-Trade-Center durch einen Versprung in der Wegachse betont.

Baukörper
Die Integration der Gebäude Astron Hotel und Fuggerbusiness Park in einen Blockrand überschreitet die Größenordnung der Hallen. Sie in ein neues Ensemble einzubeziehen, wünscht von ihnen bessere Qualität. Beide Betrachtungsweisen ließen sie zwingend überdauern oder bei etwaigem Abriß ersetzen.
Ein separater, geschlossener Parameter erfüllt einerseits die Forderung nach Einheit im Kontext der Messebauten, andererseits deckt er sich mit dem gegebenen Raumprogramm. Er orientiert sich an der Größenordnung der Hallen auf dem Gelände und beschränkt sich auf eine Seitenlänge von ungefähr 170 Metern.Eine Untersuchung möglicher Baukörpertypologien auf dem zur Disposition stehenden Grundstück in dem o. g. Parameter führt zur Auswahl dreier Formen:

  • die reine U–Form
  • der innenseitig modellierte Block
  • die klassische Blockstruktur 

Die Entscheidung fällt für den klassischen Block. Er bietet beste innenräumliche Qualität im Kontext des Einheitlichen. Ein weiter Platz ist von allen vier Flügeln des Blocks gleichermaßen erlebbar und das Herz des neuen World–Trade–Centers. Ein Tunnel im nördlichen Bereich des Bandes dramatisiert die Schwelle zwischen Landschaft und Baufeld. Er dient der Unterführung der Seehausener Allee. Ausstellungen, sowie einfallendes Licht und Wetter begleiten den Besucher in Richtung Platz. Dort öffnet sich ihm schiere Weite und Überschaubarkeit einer ruhenden Welt idyllischen Flairs mit Wasserspielen und Schattenzonen. Der Platz steigt in Nord, Ost und West auf  +/- 0,00m an, von wo der Besucher auf die +1,20m umlaufende Kolonnade gelangt. Eine langgestreckte Rampe ist Platzskulptur und endet vor dem Hauptfoyer des Nordflügels. Der Platz ist 106m lang und 134m breit.

Die Erdgeschoßzonen der vier Blockflügel sind mit öffentlichen Funktionen belegt, die sich zum Platz orientieren. Im Nordflügel befinden sich die Empfangsbereiche für World–Trade–Center und Hotel und gastronomische Einrichtungen. Der Ostflügel hat  Dienstleistungs-, der Westflügel Konferenzfunktion. Der Südflügel dient der Erholung und dem Einkauf.

Die Obergeschosse 1 bis 5 sind reine Mietbürofläche. Der Westflügel stellt hierbei eine Besonderheit dar. Er ist eine Spange, vom Nord– und Südflügel begrenzt, und beherbergt das Hotel. Es erstreckt sich über die Obergeschosse 1 – 4. 5. Obergeschoß übernimmt auch hier Bürofunktion (siehe Schnitt B.1, Straßenansicht Süd–West und Platzansicht Nord–Ost).

Die Ausrichtung sämtlicher Neben-, Versorgungsflächen und der Großraumbüros zur Straße, der Gruppen- und Zellenbüros zum Platz läßt eine Auflösung des Blocks von Außen nach Innen erkennen.
Große Galerien mit Lichträumen gestalten und erhellen die Erschließungsbereiche der Büros. Alle Büro- und Hotelräume zum Platz besitzen Balkone. Balkone in den Lufträumen erhöhen die Attraktivität der Vorbereiche der Großraumbüros.

Materialien und Fassade
Der Block ist eine Stahlbetonkonstruktion in Skelettbauweise.
Seine straßenseitige, strenge, energische, kühle Bandfassade aus Aluminium verleiht dem Block Schiffscharakter im Kontext zu den Assoziationen mit einem Hafen. Sie steht im Gegensatz zu den Leipzig typischen gründerzeitlichen Blockfassaden. Gründerzeitarchitektur hat es hier “draußen” nie gegeben.
Die platzseitige Fassade aus einheimischen Robinienholz mit verschieden großen Balkonen hinterläßt einen warmen, lebendigen Eindruck. Orangefarbene Markiseletten spielen ihre Musik.

Goethe:
"Jedoch ganz nach meinem Sinn waren die mir ungeheuer erscheinenden Gebäude, die, nach zwei Straßen ihr Gesicht wendend, in großen, himmelhoch umbauten Hofräumen eine bürgerliche Welt umfassend, großen Burgen, ja Halbstädten ähnlich sind."

Schinkel:
"In der Kunst muß der Gedanke immer auf Verwirklichung gerichtet sein."
"Die Einfachheit und die Verständlichkeit sind die notwendigsten Dinge."

Letzte Änderung: 27.11.2013
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